Elektrischer Reporter zu Digitalen Nomaden

Zunehmend erklären Menschen die ganze Welt zu ihrem Büro. Also hält auch Mario Sixtus als Elektrischer Reporter seine Kamera auf diese neue Spezies.

Hm… Na gut, wenn jetzt alle Menschen durch die Gegend jetten um weltweit ihren Schreibtisch aufzuklappen, mag das einen Einfluss auf das Klima haben. Jedoch beginnt nicht jede Etappe des digitalen Nomadentums zwingend mit einer Flugreise. In Europa sind viele Städte auch per Auto, Motorrad oder Bahn gut und beliebt erreichbar.

Was hier leider völlig unbetrachtet blieb beim Elektrischen Reporter ist die Kombination von Urlaub und Arbeiten.

Einigen Werktätigen und insbesondere Selbständigen erlaubt das digitale Nomadentum ein Mehr an Freizeit, wenn sie ihren Aufgaben auch an anderen Stellen der Welt nachgehen können. Aber vielleicht sind diese in der Schwarz-Weiss-Zuspitzung wieder nicht begriffsgenau „digitale Nomaden“…

Zum Thema empfehle ich den Beitrag Work anywhere – seit 1997.

Smart Work – wo Arbeiten das Leben umwirbt

„Arbeiten Sie noch oder leben Sie schon“, fragt Chefredakteurin Doris Raßhofer im Bestseller, das „zeitgeistige Lifestyle-Magazin für
Wirtschaft und Kommunikation“. Ein unterhaltsam geschriebener Artikel, der viele Facetten des Arbeitens, unserer Einstellung zur Arbeit und neue Wege anreisst.

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Schön fand ich darin auch die Diskussion um Zeitvorgaben der Unternehmen, die zum Beispiel ihre Server zwischen neun Uhr abends und sieben Uhr in der Früh vom Netz nehmen.

Derartige Bevormundung lehnt auch eine Interviewpartnerin der Autorin ab, deren Zitat ich sehr treffend formuliert finde:

Jeder muss seine eigenen digitalen Öffnungszeiten definieren lernen.

Yes. Gehört mit zur Medienkompetenz.

Hier geht es zum Artikel: Arbeiten Sie noch oder leben Sie schon / Bestseller

Bonus-Track: Auf Seite 36 des Magazins gibt es einen Reisebericht vom Coworking Camp Ägypten

Foto: bearbeiteter Screenshot Bestseller / horizont.at

Manifest für den flexiblen Arbeitsstil

„Früher haben die Mitarbeiter Strategien exekutiert. Heute agieren sie selbst unternehmerisch. (…) Früher war erfolgreich, wer Informationen effizient verwaltete. Heute ist es, wer erklären und Wissen vermitteln kann.“

Früher war mehr Lametta? Über den Stil der verfassten „33 Regeln erfolgreicher digitaler Pioniere“ mag man schmunzeln, die Themen sprechen an, was sich in punkto Arbeit gerade in Veränderung befindet bzw. schon längst verändert hat.

Die Zusammenstellung stammt aus der Feder von Markus Albers (Autor von „Meconomy“, „Morgen komm ich später rein“) in Kooperation mit Microsoft. In Berlin stellten sie am Vortag zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit, das „Manifest für ein neues Arbeiten“ vor, das für den Abschied von starren Büroarbeitszeit-Vorstellungen plädiert.

Die Verfasser des Manifest fordern:

  • ein Recht auf Arbeit, so wie wir sie wollen
  • ein Recht auf selbstbestimmte Freizeit
  • die Abschaffung von künstlichen Hierarchien
  • Strukturen, in denen wir vertrauensvoll, frei und produktiv kommunizieren können
  • Verantwortung für uns selbst und für unsere Arbeit

Es ist richtig: Mit heutigen – und künftigen – Technologien können Wissensarbeiter ihre Arbeit und Freizeit neu gestalten. Viele ergreifen die Chance, ihre Arbeit den individuellen Phasen erhöhter Produktivität anzupassen. Gerne auch ausserhalb der klassischen 9to5-Arbeitszeit. Als bekennende „Eule“ bin ich da mit dabei.

In der Praxis erlebe ich, es ist (noch) nicht jedem Menschen gegeben, diese Gestaltung tatsächlich anzunehmen.  Die Verwischung der Grenzen zwischen Privatleben und Arbeitstätigkeit empfinden viele als bedrohlich für die eigene Gesundheit. Kein Abschalten sei mehr möglich, noch mehr Stress als jetzt schon.

Gerne wird angenommen, Menschen mit flexibler Arbeitstätigkeit seien Workoholics, die keine Freizeit kennen. Dabei steht nirgends geschrieben dass jemand permanent erreichbar sein muss. Jedem sind Auszeiten gestattet. Wer gar nicht loslassen kann, sollte ernsthaft und selbstkritisch klären, woran das liegt.

Insofern sehe ich das Manifest als ein Plädoyer an Vorgesetzte und Kollegen, andere Formen der menschlichen Produktivität zuzulassen. Nicht jeder von uns ist für ein 9to5-Arbeiten gestrickt. Von der Technologie her gesehen ist es uns möglich, auch anders an die Bewältigung unseres Arbeitspensum heranzugehen. Wie steht ihr dazu?

Die Dokumente können hier heruntergeladen werden: Microsoft OneDrive „Neues Arbeiten“

Das Büro in der Handtasche

Smartphone Handy als mobiles Büro? Ende der 90er legte ich mein Nokia-Mobiltelefon neben meinen Palm Organizer und wünschte mir, sie würden sich verbünden. Aber da musste ich bis 2007 und auf Steve Jobs warten, der den Mobiltelefonmarkt durcheinander wirbelte.

Inzwischen ist das Smartphone in der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Im Februar stellte der Verband Bitkom eine repräsentative Studie vor: Smartphones werden zum mobilen Büro – Jeder fünfte Arbeitnehmer bekommt ein Smartphone vom Arbeitgeber gestellt. Und 40 Prozent der Arbeitnehmer nutzen zumindest gelegentlich ihr eigenes Gerät für die Arbeit.

Ende Februar legte der Verband dann mit Zahlen zur Tablet-Nutzung nach: Jeder vierte Deutsche über 14 Jahren nutzt einen Tablet Computer. Ein Jahr zuvor war dies noch jeder achte.

Beliebteste mobile Anwendungen fürs Business

Office-Apps sind auf beruflich genutzten Smartphones am weitesten verbreitet: Am häufigsten werden Programme zur Verwaltung von Kontakten verwendet.
Bitkom Studie
Hm. Da frag ich mich, ob Apps für ToDo-Listen, Notizen, Fotos, Social Networks oder Navigation nicht genannt wurden oder in der Befragung nicht enthalten waren.

Mobil und flexibel am Arbeitsplatz

Die leistungsfähigen technischen Begleiter stellen vielen Menschen eine neue Flexibilität bereit: Sie klappen ihren Laptop auf, wo sie wollen. Hauptsache sie sind erreichbar für Kunden oder Kollegen. Dazu gibt es einen Beitrag zu einer Blogparade zum Arbeitsplatz der Zukunft – Büro war gestern: Digitalien liegt überall

Foto: DoSchu; eigene Grafik mit Daten von Bitkom http://www.bitkom.org/78551_78547.aspx

Gutes Wetter für Coworking

„Coworking ist nur eine Nische.“ oder „Über kurz oder lang enden alle Coworking Spaces in Bürogemeinschaften…“ – kritische Einschätzungen zu Coworking gibt es – ganz besonders von aussen – viele.
screenshot deskmag.com
Gut wenn dann eine Studie zum bereits 4. Mal den Wasserstandsbericht und die Wetterprognose für Coworking in Europa ermittelt: Die Coworking Vorhersage 2014 von deskMag. Und darin lesen wir:

„60% aller bereits existierenden Coworking Spaces [planen] wieder neue Arbeitsräume für ihre Mitglieder.“

Denn offensichtlich gibt es jede Menge Interesse am neuen Arbeitsplatz-Konzept:

„7 von 10 Betreibern meinen, es gäbe weniger Coworking Spaces als benötigt würden. Die Nachfrage übersteigt weiter das Angebot.“

Entsprechend positiv fallen die Prognosen für 2014 aus:

„9 von 10 Coworking Spaces erwarten dieses Jahr steigende Mitgliederzahlen, fast jeder Vierte rechnet sogar mit einer deutlichen Steigerung.“

Mehr Auswahl bietet uns Coworkern die Option, unser Arbeitsumfeld und unsere „Kollegen“ so zu wählen, wie es uns gefällt, uns mehr Lebensqualität gibt und unseren Arbeitsstil unterstützt:

„War es vor zwei Jahren etwas mehr als jeder Zweite, so verabschieden sich dieses Jahr fast 9 von 10 Mitgliedern von ihrem Coworking Space innerhalb eines Jahres, wenn er ihnen nicht mehr gefällt. Die weiter wachsende Auswahl bietet ihnen zahlreiche Alternativen.“

Und wenn wir unser „Wohlfühl“-Arbeitsumfeld gefunden haben, sind wir treu:

„Wobei mehr Mitglieder in einem Coworking Spaces, anders als 2013, die Verweildauer deutlich erhöhen. Die Treue ist dabei im zweiten bis dritten Jahr der Mitgliedschaft wieder am höchsten ausgeprägt.“

Gute Aussichten also für Coworking-Space-Betreiber und uns Coworker! Als beruflich Reisende oder digitale Nomaden finden wir mehr Optionen, unterwegs in angenehmer und arbeitsamer Atmosphäre zu arbeiten. Und wenn der Spirit einer Location nicht gefällt, gibt es zunehmend passende Alternativen – ein Umzug in eine Bürogemeinschaft muss nicht ins Auge gefasst werden.

Am zweiten Februar-Wochenende kamen Coworking Interessierte zum Austausch nach Wolfsburg zur Cowork2014. Dazu mehr in einem nächsten Blogbeitrag.

Foto: Screenshot deskmag http://www.deskmag.com/de/die-coworking-vorhersage-2014-marktbericht-befragung-marktforschung (ebenso Zitate)

Personas (nicht nur) der Wunsch-Kunden

Illustration Personas

Für die Vorbereitung auf ein neues Business erstelle ich gerade Personas. So kann ich Informationen aus Statistiken, Befragungen und Erfahrungen als fiktive Personen visualisieren. Personen, die je nach ihrem Hintergrund individuelle Arbeitsgewohnheiten haben und damit verbunden spezifische Anforderungen stellen.

Das ist gar nicht so einfach und „kostet“ na klar Zeit. Ich bin jedoch nach diversen Web-Projekten zum Personas-Fan geworden. Wenn die Personen mal feststehen, ist es bei der Diskussion um neue „Features“ leichter, ihren Wert für die Kunden / Nutzer einzuschätzen, wenn sich rasch in die verschiedenen Stellvertreter hineinversetzt werden kann.

Fast wie im richtigen Leben

Zur Persona gehört neben den eng am eigenen Angebot orientierten Parameter genauso eine persönliche „Biographie“ dazu. Für die wahrscheinlichen Kunden beschreibe ich deren Familiensituation und welcher Lebensstil bevorzugt wird. Besonderes Augenmerk lege ich auch darauf, wie flexibel und mobil die jeweilige Person ihren Arbeitsstil pflegt. Verständlicherweise fließen einem Portraits der Wunschkunden leichter in den Computer. Ich nehme darüber hinaus Beschreibungen von fiktiven Menschen mit auf, die vielleicht Interesse zeigen könnten, aber nicht zum Angebot passen. Eine Herausforderung, die praktischerweise gleichzeitig hilft, die Angebotsleistung zu schärfen.

Tipp: Excel für die Sammlung…

Zunächst hielt ich die Beschreibungen zu jeder Persona in einer eigenen Textdatei fest. Dann merkte ich, das mir die anderen Profile für den Feinschliff fehlten. Also habe ich meine Lieblings-Anwendung Excel herausgezogen und dort meine Personas gesammelt. In den Spalten sortiere ich die einzelnen fiktiven Personen mit Vornamen, Altersangabe und Kurzbiographie ab, in den Zeilen jeweils die Charakteristik dieser Person zu den definierten Fragestellungen. Effekt: Ich sehe gleich, ob ich einen Parameter vergaß zu betrachten.

…Ausdruck mit Foto für besseres Visualisieren

Dann drucke ich die jeweils eine Personas-Spalte mit der Fragestellungen-Spalte aus. Auf den Ausdruck klebe ich ein aus Katalogen und Zeitschriften ausgeschnittenes Portrait zur Person auf. Damit kann ich mich besser an „Daria, Ulrich, Tim“ oder „Lydia“ erinnern. In der Diskussion ist es übrigens lustiger, wenn als Argument angeführt wird, „Johanna“ wird etwas total unwichtig oder besonders klasse finden. Besonders ist schneller klar, dass nicht meine Meinung relevant ist, sondern die der Kunden oder Nutzer.

Erkenntnis

Mein Learning: Es ist wesentlich leichter Personas für Menschen zu ersinnen, denen ich bereits im Berufsleben begegnete, oder denen ich Fragen gestellt habe. In einem Kundenprojekt war es wesentlich anstrengender sich in die gewünschte Zielgruppe, die ich nur am Rande kannte, hineinzuversetzen. Für das neue Projekt passt es perfekt zu meinen bisherigen beruflichen Stationen.

Vertiefung

Wer sich mehr zum Thema Personas informieren will – hier beschreibt der „Erfinder“ Alan Cooper, wie das Konzept der Personas als „Chuck, Cynthia und Rob“ das Licht der Welt erblickten..

(Foto: DoSchu)